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20 Jahre später – Was gibt es noch zu sagen?

Die Auseinandersetzung mit der jüngeren und jüngsten Zeitgeschichte nimmt einen sehr großen Teil der Bildungsarbeit von Weiterdenken, der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen ein. In der Auseinandersetzung mit unserer Geschichte überprüfen wir unsere eigenen moralischen und politischen Wertmaßstäbe, ändern sie unter Umständen und schärfen sie immer wieder neu.

In Bezug auf die Geschichte der DDR und ihr Ende bedeutet dies für Weiterdenken zum Einen, biografisches Erzählen über Leben in der DDR, dissidentes Denken und Verhalten und die Ereignisse 1989/90 zusammen zu tragen und öffentlich zu diskutieren. Dies war einer der Schwerpunkte unserer Arbeit, die sich in zahlreichen Interviews auf unserer Homapage nachlesen lässt. Differenziertes Erzählen und öffentliches Bewerten von Geschichte kann aus unserer Sicht einen Beitrag dazu leisten, ein Bild der DDR zusammenzutragen, dass die Realitäten der DDR weder verklärt oder pauschal verurteilt noch sie zur Projektionsfläche für unerfüllte gesellschaftliche und individuelle Träume und Pläne werden lässt. Zum Anderen sehen wir in der aktiven Auseinandersetzung mit Geschichte auch eine Chance, Instrumentalisierungen von Geschichte und Geschichtserzählungen eine vielschichtige Beurteilung entgegen zu setzen.

Eine spannende Aufgabe war und ist für Weiterdenken insbesondere, einer jungen Generation, die die Ereignisse, vor allem aber die DDR nicht bewusst selbst erlebt hat, eine eigenständige Annäherung an diese Zeit zu ermöglichen. So kann die Relevanz der jüngsten Geschichte für die Gegenwart wieder neu geklärt werden. Dafür wollten und wollen wir Inspirationen geben und Formen, Gelegenheiten und Begleitung anbieten.

Nicht zuletzt war uns wichtig, diese Erinnerungsarbeit nicht nur im regionalen oder nationalen Rahmen zu fassen, sondern in den Zusammenhang und ins Verhältnis mit den Prozessen der mittelosteuropäischen Nachbarländer zu setzen. Diese Ebene der Auseinandersetzung zollt den Leistungen und Besonderheiten der vielfältigen Bewegungen Respekt und bettet unser eigenes Erleben und Erinnern in das – auch geschichtliche – Haus Europa ein.

»Himmelweit gleich?« ist im Kontext der Arbeit von Weiterdenken ein besonders anspruchsvolles Projekt: Eine umfangreiche Zielstellung war in sehr kurzer Zeit zu konzipieren, finanzieren, organisieren und zu einem guten Ergebnis zu bringen. Im Rückblick sind wir in doppelter Hinsicht zufrieden und dankbar:

Im Prozess der Projektbearbeitung haben wir einen sehr intensiven Austausch zwischen den Studierenden und den Mentor_innen und Berater_innen in den Städteteams erlebt. Die Beteiligten führten in die unterschiedlichen Transformationsprozesse während der internationalen Workshops eindrücklich ein, diskutierten engagiert und mit Gewinn für alle. So sind Kontakte und Freundschaften entstanden, die weit über die Ausstellungsprojekte hinaus weisen. Die Arbeitsgegenstände und Arbeitsweise haben uns alle in diesem Projekt wieder ein Stück mehr zu Europäerinnen und Europäern gemacht.

Im Ergebnis von »Himmelweit gleich?« liegen mehrere Ausstellungen, zahlreiche Veranstaltungen in vier Ländern hinter uns sowie eine Homepage mit vielen Bildern und Texten und diese Publikation vor uns. Ohne Zweifel haben die einzelnen Ausstellungsthemen in den jeweiligen Städten wichtige Diskussionen angeregt und den Blick für Transformationsprozesse geschärft. Wir sehen gerade auch in dem vorliegenden Band eine gute Grundlage für weitergehende Untersuchungen und Diskussionen in und zwischen unseren Städten und Ländern.

Für Weiterdenken bleiben freud- und wertvolle Kontakte in die Nachbarländer bestehen, wir haben viele Anregungen für unsere weitere Arbeit gewonnen. Wir danken allen Beteiligten.

 

Kathrin Bastet, Stefan Schönfelder